Spesa saniert Stützmauern der Alten Synagoge Hohenlimburg
Denkmalschutz trifft Hangsicherung
- Sanierung zweier maroder Stützmauern an der alten Synagoge Hohenlimburg im Auftrag der Wirtschaftsbetriebe Hagen
- Rückbau, Aufbereitung des historischen Materials und Wiederaufbau der Mauer unter Denkmalschutzrichtlinien
- Zusätzliche Hangstabilisierung durch Spritzbeton und Rückverankerung
Hagen – Hoch über Hohenlimburg, einem Stadtteil von Hagen, thront die 1870 erbaute Alte Synagoge – ein bedeutender Erinnerungsort jüdischer Geschichte im südöstlichen Ruhrgebiet. Heute als Museum und Veranstaltungsort genutzt, beeindruckt das denkmalgeschützte Gebäude durch seine exponierte Lage auf einer schmalen Hangterrasse. Zwei Stützwände sichern den Geländesprung mit einer Neigung von bis zu 40° und die angrenzenden Böschungen. Doch die letzten Jahrzehnte haben ihre Spuren am historischen Mauerwerk hinterlassen: Im Rahmen einer Bauwerksprüfung wurde die Schiefstellung einer der Stützwände festgestellt, die als Gefährdung der Standsicherheit eingestuft wurde. Zudem ist ein Teilbereich der Wand bereits eingestürzt. Big Bags stabilisieren das Bauwerk provisorisch. Um die Standsicherheit der beiden Stützwände dauerhaft wiederherzustellen, wurde die SPESA Spezialbau und Sanierung GmbH von der Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR (WBH) mit dem vollständigen Rückbau der bestehenden Stützwände, der Böschungssicherung und dem anschließenden denkmalgerechten Wideraufbau des historischen Mauerwerks beauftragt.
Geotechnische Herausforderungen
Ein Materialgutachten bestätigt: Aufgrund der geschädigten Substanz ist eine Instandsetzung nur im Rahmen eines vollständigen Rück- und Neubaus möglich. Während die erste Stützmauer den Geländesprung inklusive Böschung abfängt und bereits teilweise eingestürzt ist, grenzt die zweite unmittelbar an das südöstliche Nebengebäude der Synagoge. Die als Notsicherung eingesetzten Big Bags zwischen Mauer und Synagoge verhindern ein Fortschreiten des Schadens, schränken den Arbeitsraum jedoch erheblich ein. „Sie sorgen aktuell für die nötige Standsicherheit und können daher nur schrittweise zurückgebaut werden“, erklärt Sebastian Otto, Bauleiter bei Spesa. „Gleichzeitig stellen sie eine weitere logistische Herausforderung im beengten Arbeitsumfeld dar.“
Sanierung unter Denkmalschutzauflagen
Da die beiden Stützwände nicht als tragende Schwergewichtswände errichtet wurden, sondern lediglich als Verkleidung des dahinterliegenden, standsicheren Felses dienen, ist ein Rückbau problemlos möglich. Die vorhandenen Schäden sind demnach vor allem auf Verwitterungsprozesse in den oberen Gesteinsschichten sowie auf Wurzeldruck zurückzuführen. Im Zuge der Sanierung wird das vorhandene Natursteinmaterial zunächst schonend abgetragen. „Die Steine werden im Sinne des Denkmalschutzes gesichert, zwischengelagert und für den Wiedereinbau aufbereitet“, so Sebastian Otto. Aufgrund der begrenzten Fläche vor Ort ist die Lagerung logistisch anspruchsvoll. Eine aufwendige Kartierung der einzelnen Steine ist jedoch nicht erforderlich.
Hangsicherung als Grundlage für den Wiederaufbau
Nach dem Rückbau erfolgt die eigentliche Sicherung des Hangs durch das Aufbringen einer Spritzbetonschale mittels Bohr- und Baggerlafetten. Auf einer Fläche von rund 150 m² werden 75 t Spritzbeton aufgebracht und zusätzlich mit 110 Anker rückverankert. Erst nach vollständiger Herstellung dieser tragenden Hangsicherung beginnt der eigentliche Wiederaufbau der Stützwände mithilfe des historischen Bestandmaterials. Auf die Verwendung vorgefundener Ziegelsteine wird verzichtet – alle Bereiche werden ausschließlich mit Naturstein aufgemauert. Fehlende Steine werden durch vergleichbaren und ortsüblichen Naturstein ersetzt, um das historische Erscheinungsbild zu wahren. Der Zwischenraum zwischen Spritzbetonschale und Natursteinmauerwerk wird anschließend lagenweise mit Einkornbeton verfüllt. „Durch dieses Verfahren lässt sich der Frischbetondruck optimal kontrollieren“, so Sebastian Otto. „Die neue Natursteinwand übernimmt dabei keine stützende Funktion für den Hang. Sie trägt lediglich ihr Eigengewicht und den Druck der Drainageschicht.“
Optische Aufwertung und nachhaltige Standsicherheit
Die Kombination aus beengten Platzverhältnissen, denkmalpflegerischen Anforderungen und der erforderlichen Belassung der Big Bags als Stützelemente macht die Sanierungsmaßnahme zu einem logistischen und technischen Präzisionsprojekt. Der sensible Umgang mit dem historischen Umfeld steht dabei ebenso im Fokus wie die dauerhafte Wiederherstellung der Standsicherheit. Die Arbeiten haben im Februar begonnen und werden voraussichtlich im Juli 2026 erfolgreich abgeschlossen. Mit der Sanierung leistet Spesa einen wichtigen Beitrag zum Erhalt dieses kulturhistorischen Orts – und schafft eine sichere und zugleich optisch aufgewertete Umgebung für Besucherinnen und Besucher.
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